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Trauansprache

Liebe Anwesende!

Es hat uns hieher in die Tillmann-Siebel-Straße gezogen, weil Janine Siebel und Thorben Grohnert sich getraut haben. Zum einen auf dem Standesamt, das gehört dazu, und zum anderen in der Achterbahn des Lebens. Kein leichtes Unterfangen - und schon gar keins, auf das man sich leichtfertig einlassen sollte. Aber schließlich kennen sich Janine und Thorben schon länger. Zum ersten Mal begegneten sie sich beim Badminton. Thorben war der Trainer. Gefunkt hatte es damals noch nicht. Aber mehr als 10 Jahre später trafen sie sich erneut. Gartenarbeit musste erledigt werden und dabei bewährte sich Thorben viel besser als gedacht, denn aus dem Entfernen von Bodendeckern wurde Zuneigung, aus der schließlich Liebe erwuchs. Soweit die Vorgeschichte.

Ein böser Spruch lautet: "Die Frau weint vor der Hochzeit, der Mann danach." Die standesamtliche Trauung ist ja bereits passé. Der Staat hat bekommen, was des Staates ist. Vielleicht hat es im Vorfeld Tränen gegeben; vor Aufregung und Freude. Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass heute für die beiden der Tag X ist. Wir werden sie im Auge behalten; schon aus Neugier, aber hoffentlich auch aus Sympathie und Freundschaft. Das Verprechen, das sie sich gegeben haben und heute bekräftigen, ist ein Versprechen, das alle weltlichen Paragraphen und Verordnungen übersteigt. Es ist ein Verprechen auf Hingabe und Treue, auf gegenseitigen Beistand und eine gemeinsame Zukunft. Janine und Thorben lassen uns alle an ihrem Glück und an ihrer Verbindung teilhaben, und sie dürfen unser aller Zuspruch und Unterstützung Gewiss sein. Das bringen wir jetzt zum Audruck, indem wir einer nach dem anderen unsere Kerzen entzünden und mit dem Feuer unsere guten Wünsche für Janine und Thorben weitergeben. Wenn alle Kerzen brennen, bitte ich den Hochzeitsgast, der das Feuer zuletzt bekommt, es anschließend dem Brautpaar zu bringen. Janine und Thorben werden dann mit der Flamme ihre Hochzeitskerze entzünden.

+++ Handlung +++

In unserem Beisein beginnen Janine und Thorben also ein neues Leben, und zwar zusammen. Nicht gezwungermaßen, sondern freiwillig. Nicht als Untergebene sondern als - so heißt es in einer bekannten Ballade - "Captain of Her Heart" - und natürlich captain of his heart". Rein menschlich ist es nicht zu halten. Deshalb sollte es nicht nur ein Versprechen vor Menschen bleiben, sondern auch eines vor Gott werden. Wenn Gott bekommt, was Gottes ist, dann wird Euch sein Segen sicher sein und Eure Liebe wird bleiben. Sie wird sich verändern, aber sie wird nicht verloren gehen. Am Ende soll es bei Euch nicht so kommen wie in dem unausweichlichen Witz auf vielen Hochzeiten:

Im ersten Ehejahr redet der Mann und die Frau hört zu. Im zweiten Ehejahr redet die Frau und der Mann hört zu. Im dritten Ehejahr reden beide und die Nachbarn hören zu. 

Damit es nicht so kommt, denkt daran und beherzigt, was der Apostel Paulus über das Wesen der Liebe schreibt:

Die Liebe ist langmütig und freundlich;
die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen;
sie bläht sich nicht auf, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden;
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit; sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Schließen möchte ich mit dem Sonett 116 von William Shakespeare:

Was man sich treu gelobt, wenn man sich liebt,
gilt ausnahmslos. Denn Liebe ist nicht Liebe, die
hüpft und springt wie es sich gerade ergibt.
Mag auch der Wind sich drehn, sie dreht sich nie.

O nein, sie bleibt auf festgelegter Bahn,
steht auch bei Stürmen fest am Firmament,
und dient als Leitstern dem verirrten Kahn,
unschätzbar, selbst wenn man die Höhe kennt.

Sie ist nicht an Vergänglichkeit gebunden,
wenn auch der Wangen Rot verfallen mag,
sie ändert nicht in Wochen oder Stunden,
sie bleibt bestehen bis zum jüngsten Tag.


Liebe Janine, lieber Thorben. Ihr seid nun ein Paar. Bleibt beisammen und ladet uns alle zu Eurer Silberhochzeit ein.

Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: die Eheleute Janine Siebel-Grohnert und Thorben Grohnert, die mit Tochter Sophie jetzt eine Familie sind.

 +++ Kuss +++

Adventsandacht

Textgrundlage: Markus 13, 24-37

Ich gebe gerne zu, dass es ist nicht so mein Ding ist, wenn mich jemand warten lässt. Stundenlange Sitzerei beim Arzt, das Warten vor roten Ampeln oder das Herumzockeln hinter selbsternannten Verkehrserziehern lassen meinen Puls steigen - vor Ärger.

Der Text aus der Bibel, den wir gerade gehört haben, fordert dennoch jeden von uns auf, sich einzulassen auf geduldiges Abwarten und Ausschau halten. Eine reichlich uncoole Forderung.
Wir sollen die Augen offen halten, die Dinge sich entwickeln lassen und darauf vertrauen, dass Gott uns schon nicht verstösst oder einem sehr ungewissen Schicksal überlässt.

Der Advent hat mit dem Kommen des Herrn zu tun. Weihnachtsdeko anbringen, Plätzchen backen, Grusskarten schreiben... Die Geburt des Herrn zu Weihnachten ist nur eine Art seines Kommens. Mittelpunkt unseres Glaubens ist die Überzeugung, dass Gott kommt, dass er zu uns kommt, dass er kommt, um uns zu stärken, zu erlösen und um sich uns zu offenbaren. Und daher ist es angemessen, wenn wir die Augen und Ohren offen halten, wenn wir gespannt sind auf alle Arten seines Kommens.

Der Herr kommt. Nur, wann, dass weiss niemand. Jede Menge Leute versuchen daraus verdammt schlechte Nachrichten zu machen: "Wisst ihr, ob ihr denn errettet werdet am Tag seines Kommens?" Wisst ihr, ob ihr in den Himmel kommt?" In der Regel wissen diese Leute dann auch sofort, was man denn tun muss, um am Tag X dabei zu sein. Dabei ist die Message hier - Gottes Zusicherung nämlich, dass die Zukunft offen ist - eine nur gute. Wir sollen einfach tun, was uns von Gott zu tun aufgetragen worden ist - und währenddessen schlicht unsere Augen und Ohren offen halten. Dass dürfte allerdings auch reichen, um uns auf Trapp zu halten. Für unfruchtbare Spekulationen darüber, was denn so abgehen wird am Tag seines Kommens, bleibt dann keine Zeit mehr.

Also: Kümmert Euch um die, die Eure Zuwendung brauchen, bestehlt Euch nicht untereinander und macht Euch nicht gegenseitig das Leben schwer. Helft Euch und nehmt die auf, die neu in Eure Grupe kommen. Versucht Frieden zu stiften, wo Streit herrscht und haltet zusammen. Keiner von uns kennt die Zukunft. Gott sei Dank! So bleiben wir nämlich frei zu tun, was zu tun ist und können hoffen. Wie auch immer die Ankunft des Herrn sein wird, sie wird bestimmt überraschend und cool sein. So cool wie die Geburt, die wir in zwei Wochen feiern werden.

Haltet die Augen offen, bleibt dran, bleibt dran am Leben und lasst den Mut nicht sinken. Krankheit, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, Ärger mit den Lehrern und den Sozis... Wir Menschen haben es schon drauf, uns gegenseitig fertig zu machen. Wenn Ihr im Dunkeln eine Strasse entlang geht, könnt ihr immer nur so weit sehen wie das Licht reicht. Wenn Ihr aber weiter geht, kommt neues Licht - so lange, bis Ihr endlich ankommt. Unser irdisches Leben ist ein Weg, nicht das Ziel. Also sitzt nicht herum und gafft - das ist hier nicht gemeint, sondern haltet die Augen offen: "Hey, guck mal da!" Das ist Eure Adventaufgabe: Wacht, haltet Augen und Ohren offen - und wartet. Wartet es ab. Gott wird so manche Überraschung für Euch parat haben.

A
men.

Predigt zum NRW-Tag des CJD
gehalten in der Wallfahrtskapelle Waldenburg

Wie wir eben gehört haben, wird dem Wasser hier eine heilende, eine wunderwirkende Kraft zugeschrieben. Ich glaube, wir alle sehnen uns oft nach heilenden Quellen, nach Wundern; nach Wundern, die man sehen, die man fühlen, die man anfassen kann.
Diese Kapelle hier ist gleichsam Stein gewordener Ausdruck eben dieser Sehnsucht.

Ich zum Beispiel würde was drum geben, wenn mir der auferstandene Herr doch mal ein bischen näher käme; sich mir mal zeigte und so meine vielen, vielen  Zweifel ausräumte.
Bestimmt würden auch viele von Ihnen Jesus gerne mal anfassen, seine Narben befühlen, mit Ihren Fingern über seine Hände und Füsse fahren und so Ihren Unglauben wie mit klarem Wasser erfahrbar, real abwaschen können.

Vermutlich aber ist von uns noch keiner Jesus je persönlich begegnet. Niemand von uns hat selbst das leere Grab gesehen, mit den Engeln gesprochen oder mit Jesus Fisch gegessen. Auch dürfte wohl noch niemand hier mit ihm nach Emmaus oder woanders hin gewandert sein.

Aber, obwohl auch ich Jesus noch nie wirklich habe anfassen können, glaube ich doch, hier und da schon etwas von der Kraft gestreift zu haben, auf die ich hoffe.

Haben Sie das Handeln Gottes in unserer Zeit und Welt auch schon mal, zumindest ansatzweise gespürt? Privat aber auch bei Ihrer Arbeit im CJD?

Es ist doch klasse - in manchen Fällen geradezu ein wahres Wunder - Leute, gerade auch junge Leute, Holz- und Irrwege verlassen zu sehen, Schüler und Auszubildende von Pfaden, die mit Sicherheit in den Abgrund geführt hätten, plötzlich in Richtungen laufen zu sehen, die Zukunft bedeuten.

Wer glauben kann, ohne zu sehen, ist selig. Die meisten von uns aber sind, wie ich, eher kleine Thomase sein. Thomase, die die wunderwirkende Kraft Gottes von Zeit zu Zeit sehen und erleben müssen, um im Glauben bleiben zu können, um selbst Teil dieser wunderwirkenden Kraft Gottes sein zu können.
Daher sollte jeder von uns, der schon eigene Erfahrungen mit dem Wunderwirken Gottes gemacht hat, unbedingt davon berichten; sollte sagen, warum und weshalb er also glaubt; was er so alles gesehen und erlebt hat.

Wenn wir die Wunden, die uns das Leben reisst, von Christus heilen lassen, werden sie zu Narben; Narben, die wir herzeigen können, Narben, die von der heilenden, wunderwirkenden Kraft Gottes zeugen - sicht- und fühlbar.
Diese Narben sind anfassbar, berührbar, betastbar für jene, die häufig so sehr auf der Suche nach einem spürbaren Zeichen für die Kraft Gottes sind; jene, für die wir beruflich und privat Verantwortung tragen, die uns anvertaut sind.

Möchten Sie echte Wunder sehen? Ich schon!
Ich zeige Ihnen meine; zeigen Sie mir Ihre...

Amen.


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